23.2.06

Abschied von der "Passage"

Fünf Jahre habe ich als Copilot auf der B737 zugebracht und habe dort die Kurzstrecke und Passagierfliegerei sehr genossen!

Irgendwann kam jedoch der Gedanke auf, daß ich vielleicht auch einmal die Langstrecke gesehen haben sollte (vielleicht, auch wenn ich mir das öffentlich sicher nicht eingestehen wollte, auch einfach nur um mal mitreden zu können im Konzert der Kapitäne und der Kabinencrew, die mir immer lang und ausführlich von Ihren Layover-Geschichten aus fernen Orten erzählten....).

Gleichzeitig sah ich einen Aushang in der Firma, der ein Angebot enthielt, für drei Jahre als Copilot zur Frachtabteilung zu gehen, da gerade dringend Leute benötigt wurden.

Hier ging dann die Abenteuerlust mit mir durch (Einige erinnern sich vielleicht an die vielen Geschichten von Antoine de Saint-Exupery aus seiner Postfliegerzeit? Soetwas in moderne Zeiten übersetzt geisterte durch meine Idealvorstellungen....;-)).

Also angemeldet und schneller als gedacht rückte mein letzter Umlauf als Copilot B737 nahe.

Die Einsatzplanung war mir sehr wohlgesonnen und wollte mir den Abschied von der Kurzstrecke anscheinend besonders schwer machen:

Ich bekam einen wunderschönen Umlauf mit einem Tag frei im sommerlichen Helsinki! Erklärend anfügen muss ich vielleicht noch, daß freie Tage vor Ort etwas wirklich seltenes auf der Kurzstrecke sind!

Wir kamen also abends in Helsinki an und, wie es sich für einen Abschiedsumlauf gehört, lud ich "meine" Crew für den Abend ein.
Leider kamen wir erst gegen 0100 Uhr Ortszeit im Hotel an, und die einzige noch offene Kneipe war das "Zetor": angeblich gegründet von den Leningrad Cowboys steht das gesamte Restaurant voll mit alten Traktoren der Marke Zetor, an denen dann das hauseigene Dunkelbier ausgeschenkt wird.

Es wurde ein wunderschöner Abend mit "Wein, Weib und Gesang", wobei für den Gesang in mehr oder minder stimmfester Weise hauptsächlich die finnische Gästeschaft des Lokales sorgte....;-)

Der nächste (freie) Tag begann somit erst spät: Es gab strahlenden Sonnenschein und die Bevölkerung Helsinkis holte alles nach, was sie vermutlich in den Monaten des langen und strengen Winters bisher veräumt hatte: Die Straßen waren voll von Menschen, die Straßencafés übervoll und überall gab es gute Straßenmusik!
An solchen Tagen kann ich die Beschwerden der Kolleg(inn)en über Helsinki kaum nachvollziehen...;-).

Nach einem ausgiebiegen Bummel und einem guten Stück Kuchen schloss sich noch eine Schifffahrt (wird das jetzt mit drei, oder doch nicht???) durch die Helsinki vorgelagerten Inseln an während der ich von allen Seiten für meinen Entschluss bedauert wurde:

Kapitän: "Hmmm, MD11, das ist fliegerisch ne' richtige 'Diva'... Die macht nur 'Zicken'..."

FB: "Auf der Fracht, da kriegst Du ja dann gar kein Essen mehr von uns...."

(Wie es dann hinterher wirklich aussah, dazu später mehr...)

Leider ging es dann nach der Schiffsreise wieder früh zu Bett (ganz im Gegensatz zum Abend vorher....), schließlich ging es am letzten Tag der Tour früh aus Helsinki wieder fort gen Heimat.

Dort angekommen war ich noch in die Abschlussarbeiten nach meiner letzten Landung vertieft, als sich der Kapitän bereits aus dem Cockpit entfernte.

Nachdem auch ich fertig war, trat ich durch die Cockpit-Tür in die Kabine und war fürbass erstaunt, als mir von der versammelten Crew ein Tablett mit Sekt und selbstgebackenem Kuchen (erst wer die kargen Möglichkeiten einer Flugzeuggalley kennt, weiß zu ermessen, wieviel Mühe und Aufwand es kostet, dort einen Kuchen zu fabrizieren!) zum Abschied gereicht wurde!

Der Abschied fiel mir in diesem Augenblick wirklich schwer!!!!

3 Comments:

Blogger nff said...

cooooooool! Ich freue mich auf Geschichten aus der MD11. Stimmt, sie ist eine Diva und die Landungen sind am Anfang gewöhnungsbedürftig :-)
Wer einmal Boeing geflogen ist, tut sich mit dem Centergear wirklich schwer......

Das Zetor hiess früher (.... als ich nich MD80 flog - jetzt spreche ich schon so wie die alten Kapitäne) Leningrad und die schrillen Künstler mit den lustigen Frisuren waren ab und zu sogar selber in der Kneipe anzutreffen. Befindet sich die Sauna immer noch mitten im Lokal?

Geniessen Sie das komfortable Cockpit der MD11 un dschreiben sie, schreiben sie, schreiben sie!!!!!

23/2/06 14:54  
Blogger nff said...

..... ich habe sie übrigens verlinkt und hier (http://www.flightforum.ch/forum/showthread.php?p=342828#post342828)noch etwas Werbung gemacht :-)

23/2/06 15:02  
Blogger Alles lacht, hier kommt die Fracht.... said...

Vielen Dank für die freundlichen Vorschusslorbeeren! Jetzt bin ich aber wirklich unter Zugzwang...;-)

Im Zetor gibt es in einer Ecke noch einen Holzverschlag, aber der wird heutzutage leider nur noch als "DJ-Kabine" genutzt und leider habe ich die Künstler das letzte Mal in Graz im Hotel gesehen, als sie auf einem Jazz-Fest auftraten...

Auch ich habe mir erlaubt, meinem Blog einen Link Ihrer Seite anzufügen, allerdings weiß ich noch nicht, ob das richtig funktioniert hat. Werde es gleich mal ausprobieren.

Alles Gute und hoffentlich bis bald (im Web oder irgendwo auf dieser Welt vielleicht mal persönlich!)!

23/2/06 20:23  

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